Sylvia Day
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aftershock germany sylvia day
Jul 17, 2014  •  Harlequin  •  9783733722944

German Excerpt

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kapitel 1

"Der Typ ist echt heiß. Den würde ich nicht von der Bettkante stoßen."

Ich runzelte die Stirn und warf einen Blick auf den Fernseher in meinem Hotelzimmer, während ich meine Kosmetika auspackte. Nur der Himmel mochte wissen, warum ich den Apparat eingeschaltet hatte und mir eine Mittagstalkshow antat. Aber ich hatte sicher nicht erwartet, den Mann, den ich liebte, auf dem Bildschirm zu sehen – oder zu hören, wie "heiß" ihn die glamourösen Gastgeberinnen fanden.

"Vielleicht lässt er Wahlkabinen in allen Pembry-Restaurants aufstellen,” meinte die andere.

Kopfschüttelnd betrat ich das Bad. Ich ärgerte mich immer noch über Jax' Investment in Pembry Ventures. Würde ich ihm jemals verzeihen, wie niederträchtig er mich reingelegt hatte? Vielleicht sollte ich es nicht so persönlich nehmen, weil es ja nur um Geschäftliches ging. Trotzdem – gewisse Dinge durfte man einer Frau, die man liebte, nicht antun. Und es war richtig mies, ihr ins Handwerk zu pfuschen und ihren Job zu gefährden, der ihr viel bedeutete.

Ich würde herausfinden, warum er das getan hatte und es ihm heimzahlen. Dass ich ihn liebte, änderte nichts daran. Nicht das Geringste.

Ich hängte meine Kosmetiktasche an den Handtuchständer, und da läutete das Telefon im Zimmer. Wahrscheinlich brauchte ich viel länger als Chad, um alles auszupacken, und er wollte die Baustelle seines Restaurants auf dem Grundstück des Hotels besichtigen. Das Atlanta Mondego entwickelte sich zu einem luxuriösen Urlaubsziel. Und das würde mir der Staub an den Sohlen meiner Jimmy Choos bald beweisen. Ich nahm den Hörer vom Apparat an der Badezimmerwand und klemmte ihn zwischen mein Ohr und die Schulter. "Hey, hast du dich schon häuslich niedergelassen?"

"Verdammt, Gia, schalt dein Handy ein!"

Sofort betörte Jax' tiefe Sexy-Stimme meine Sinne und weckte aufregende Erinnerungen. Dass er sich die Mühe gemacht hatte, mich aufzuspüren, erzeugte ein prickelndes Glücksgefühl. Immerhin war Jackson Rutledge ein viel beschäftigter Mann. Und es gab genug Frauen, die scharf auf ihn waren. Also hatte er's wirklich nicht nötig, mir nachzustellen. Wie schmeichelhaft ...

"Achtung, Eilmeldung – ich gehe dir aus dem Weg,” erwiderte ich, an die Badezimmerwand gelehnt.

"Viel Glück dabei."

Meine Kinnmuskeln verkrampften sich. So fabelhaft er auch im Bett war, so sehr ich mich über seinen Anruf freute – ich war immer noch wütend auf ihn. "Jetzt lege ich auf."

"Hör mal, du kannst nicht einfach weglaufen,” stieß er hervor. "Und du darfst dich nicht so unmöglich aufführen wie gestern Abend. Wir müssen reden."

"Da bin ich ganz deiner Meinung. Aber du würdest mir nur wieder erklären, wie gern du mit mir vögelst und nicht mehr. Ich will mich nicht ständig im Kreis bewegen. Dafür fehlt mir die Geduld. Solange du meine Fragen unbeantwortet lässt, werde ich dir keine Zeit mehr opfern."

"Oh, du wirst mir noch viel mehr opfern als deine Zeit, Gia."

Über meinen Rücken rann ein Schauer der Erregung. Diesen Tonfall kannte ich – der bedeutete: Ich werde es mit dir treiben, bis du alles andere vergisst. "Was willst du?"

"Gleich wird mein Jet landen. In einer Stunde bin ich bei dir im Hotel. Und du wirst dir Zeit für mich nehmen."

"Was?" Mein trügerischer Puls beschleunigte sich. Seit ich Jax am letzten Abend verlassen hatte, war mein sexuelles Verlangen immer größer geworden, und ich sehnte mich nach Befriedigung. "Unglaublich, dass du mir nach Atlanta gefolgt bist! Wie hast du denn rausgefunden, wo ich bin?"

"Das hat mir deine Schwägerin erzählt."

Dafür würde Denise büßen. Da sie es eigentlich besser wusste, hatte sie mich wohl absichtlich verraten.

"Flieg zurück. Ich arbeite, Jax. Und wenn's um meinen Job geht, traue ich dir nicht über den Weg."

Ich hörte, wie er nach Luft schnappte. Offenbar hatte ich einen wunden Punkt getroffen.

"Okay,” fauchte er. "Ich schicke dir ein Taxi, und du kommst in mein Hotel."

"Heute habe ich sehr viel zu tun, den ganzen Tag. Wenn ich ein bisschen Zeit erübrigen kann, informiere ich dich, und wir sehen uns an einem neutralen Ort." Vielleicht in einer Bar. Oder in einem Einkaufszentrum. Irgendwo, wo es nicht möglich war, dass wir übereinander herfielen. Unglücklicherweise traute ich mir, was das betraf, nämlich selber nicht, seit ich wusste, was er für mich empfand.

"In meinem Hotel,” wiederholte er. "Ein öffentlicher Ort würde dir nicht helfen. Wir werden ficken. Lange und leidenschaftlich. Und das wäre in der Öffentlichkeit schwierig. Sicher ist es besser, wenn wir nicht im Knast landen und auf den Titelseiten der Klatschblätter landen. Oder bist du anderer Meinung?"

"Allmählich solltest du was gegen dein übersteigertes Ego tun."

"Wenn du's willst, werde ich vor dir niederknien."

Jetzt musste ich nach Atem ringen. Jax wusste, wie er meine Willenskraft bezwingen konnte, und ich versuchte mich zu revanchieren. "Sag mir, dass du mich liebst."

Sekundenlang schwieg er. "Liebe ist nicht das Problem." Dann beendete er das Telefonat und ließ mich in der Luft hängen.

Wie üblich.

"Endlich kann ich es mir richtig vorstellen." Chad inspizierte die Baustelle und nickte zufrieden.

"Sehr gut,” sagte ich lächelnd.

Dankbar drückte er meine Hand. In einem Hemd mit offenem Kragen und locker sitzenden Jeans hatte er mich bei der Baustelle erwartet. Sein kastanienrotes Haar war nur ein kleines bisschen zu lang, die Stirnfransen betonten seine strahlenden grünen Augen. Zweifellos war Chad Williams attraktiv und sexy.

Während der Reise hatte er ständig weibliche Aufmerksamkeit erregt, aber nicht darauf geachtet. Ich hoffte, das würde auch weiterhin so bleiben – zumindest bis zur Eröffnung des ersten Restaurants. Im Lauf der Zeit hatte ich zu viele gute Köche beobachtet, die aufgrund ihres Erfolges überheblich geworden waren und sich dadurch ihre Karriere ruiniert hatten.

Chad wandte sich zu mir um. "Und was passiert jetzt?"

"Das Mondego wartet nur auf die Unterzeichnung des Vertrags. Dann beginnen die richtigen Bauarbeiten,” erklärte ich. "Der Architekt wird den ursprünglichen Entwurf ändern und für drei Köche Platz schaffen. Wenn wir mit allem einverstanden sind, unterschreiben wir, und der Bauunternehmer legt los."

"O Gott,” stöhnte er grinsend, "ich kann's kaum erwarten."

"Morgen schauen wir uns die vorliegenden Pläne an, da können wir uns schon mal ein Bild machen. Wenn wir wieder in New York sind, bringen wir dich mit Inez und David zusammen und besprechen die Menüs für die Wettkämpfe. Je nach der Lage der einzelnen Hotels brauchen wir regionale Variationen."

"Okay. Wie viel haben die beiden bei der ganzen Prozedur zu sagen?"

"Was ihre eigenen Menüs betrifft, sehr viel,” gab ich zu. "Wir haben sie aufgrund ihres Talents ausgesucht und müssen sie tun lassen, was sie am besten können. Davon abgesehen bist du der Boss – der prominente Chefkoch. Erst mal tanzen sie nach deiner Pfeife."

Wehmütig verzog er die Lippen. "Ich hoffe, da wird's keine Probleme geben."

Wenn du mit deiner Schwester zusammenarbeiten würdest, wär's natürlich einfacher."

"Ha! Ganz bestimmt!"

Obwohl er lachte, las ich den Kummer in seinen Augen. Sicher wäre es besser gewesen, Stacy hätte sich gemeinsam mit Chad für den neuen Job entschieden. Auch Jax hatte zu dem Bruch zwischen den Zwillingen beigetragen – eine Ironie, wenn man bedachte, wie viel er für seine eigene Familie tat. Nach meiner Ansicht hätte er die familiären Bande der Williams berücksichtigen müssen.

"Hast du sie angerufen, seit wir über Rutledge Capital und Pembry Ventures Bescheid wissen?"

"Warum sollte ich?" Seine Lippen verkniffen sich. "Damit sie in ihrer Schadenfreude schwelgt?"

"Um ihr zu gratulieren. Du weißt schon – du könntest ihr einen Olivenzweig reichen."

"Da würde sie erst recht triumphieren."

"Vielleicht." Ich legte eine Hand auf seine Schulter. "Aber du würdest dich besser fühlen. Und wenn sie später zur Vernunft kommt, könntest du sie dran erinnern."

Er lächelte gequält. "Also gut, ich denk drüber nach."

"Und in der Zwischenzeit … Bist du hungrig?"

"Halb verhungert. Gehen wir essen." Er umfasste meinen Ellbogen. "Hier gibt's zahllose Lokale, wo man Brathähnchen und Waffeln kriegt."

"Brathähnchen und Waffeln? Gleichzeitig?"

"Eine köstliche Kombination, Süße. Solange du's nicht probiert hast, fehlt was in deinem Leben."

"Klingt eher so, als würde mich das umbringen – oder ein paar Pfunde auf meine Hüften packen, die ich nicht brauche."

Er zog meine Hand an seine Lippen und küsste die Fingerknöchel. "Dann werde ich dir helfen, überflüssigen Ballast abzutrainieren,” schlug er vor und grinste anzüglich.

"Wie unartig du bist, Chad Williams!,” ermahnte ich ihn. Aber ich lächelte. Sein harmloser Flirt war ein netter Kontrast zu Jax' gefährlichen Verführungskünsten.

Als hätte er meine Gedanken erraten, bemerke er: "Übrigens hat Lei mir erzählt, du wärst mit Jackson Rutledge liiert."

Verblüfft hielt ich den Atem an. Doch dann dachte ich mir, dass meine Chefin richtig gehandelt hatte. Gewiss war es besser gewesen, Chad sofort darüber zu informieren. Würde er es später herausfinden, könnte er glauben, wir hätten ihm etwas verheimlicht. "Vor zwei Jahren waren wir mal kurz zusammen."

"Und jetzt?" Prüfend schaute er mich an. "Ist er der Typ, der dir die Blumen geschickt hat?"

"Ja. Jetzt ist er ..." Ich dachte an Jax, der mir in seinem Privatjet nachgeflogen war. Der mich sehen und mit mir schlafen wollte. "Jetzt ist er in mein Leben zurückgekehrt, und er mischt sich in meine Geschäfte ein, was mir gründlich missfällt."

"Was genau missfällt dir? Seine Rückkehr in dein Leben? Seine Einmischung in deine Geschäfte? Oder beides?"

"Mein Job ist mein Leben,” erwiderte ich, während wir zur Zufahrt des Hotels gingen und Chad dem Parkwächter bedeutete, unseren Mietwagen holen zu lassen. "Dir kann er nicht noch mehr Schwierigkeiten machen. Zusammen mit Inez und David bist du bei Mondego fest im Sattel. Nichts wird deinen Erfolg verhindern."

"Und wenn er dir Steine in den Weg legt ..."

"Sorg dich nicht darum."

Chad zog mich an sich. "Natürlich sorge ich mich um dich. Du bist meine Fahrkarte zum Glück."

"Zu welchem?,” fragte ich und stieß meine Hüfte gegen seine.

"Als ob du's nicht wüsstest! Zu Ruhm und Reichtum."

Wie ich zugeben musste, schmeckte das Brathähnchen nach Südstaatenart mit den Waffeln verdammt gut. Nachdem ich viel zu viel gegessen hatte, watschelte ich schwerfällig zurück in mein Hotelzimmer. Am liebsten hätte ich ein Mittagsschläfchen gehalten. Aber um halb vier sollten Chad und ich den Hotelmanager treffen, und da wollte ich bei klarem Verstand sein, ohne vernebeltes Gehirn als Nachwirkung eines Nickerchens. Es würde keine besonders wichtige Besprechung sein, nur ein höflicher Gedankenaustausch bei einer Tasse Kaffee. Trotzdem – Geschäft ist Geschäft, sagte ich mir.

Und so setzte ich mich an den Schreibtisch, öffnete meinen Laptop und sah meine E-Mails durch. Zunächst beantwortete ich zwei von Lei, die David Lee betrafen, bevor ich eine Nachricht von Deanna Johnson las, die mir sofort nach dem Öffnen meines Posteingangs aufgefallen war. Ich nahm das Handy aus meiner Handtasche, schaltete es ein und wählte die Nummer der Reporterin, die in ihrer Signaturzeile angegeben war. Die Nachrichten auf der Mailbox und SMS von Jax ignorierte ich.

"Deanna Johnson,” meldete sich eine freundliche Stimme.

"Hi, hier ist Gianna Rossi." Ich öffnete die Website der Journalistin und betrachtete das Foto einer hübschen Brünetten mit langem Haar und dunklen Augen. Als sie mit Vincent zusammen gewesen war, hatten sie ein attraktives Paar abgegeben, mit ihren ähnlichen Haar- und Augenfarben. Allzu lange hatte die Beziehung nicht gedauert, was für die meisten Liaisons meines Bruders galt. Da er im Rossi's arbeitete, dem Restaurant unserer Eltern, konnte er sich nur wenig Zeit für eine feste Freundin nehmen.

"Hey, Gianna, wie geht's dir?"

Ich lehnte mich in meinem Sessel zurück, streckte die Beine aus und streifte die High Heels ab. "Gut. Und dir?"

"Wie immer bin ich auf der Jagd nach einer Story." Jetzt nahm Deannas Stimme einen energischen Klang an. "Vincent hat erwähnt, ich soll was für dich recherchieren ...?"

"Jackson Rutledge."

"Genau, das hat er gesagt." Ich hörte sie tief durchatmen. "Verrätst du mir, warum?"

"Nun, wir … sehen uns manchmal."

Deanna lachte leise. "Also ein rätselhafter Millionär, der noch mehr Geheimnisse als Geld auf der Bank hat? Solche Typen kenne ich."

Nervös kniff ich in meinen Nasenrücken, denn ich wusste, dass es besser für mich wäre, wenn ich nicht weiter nachforschen würde. Trotzdem wollte ich es tun. "Ich möchte rausfinden, wie ich mit ihm umgehen muss. Und ob ich meine Zeit verschwende, wenn ich eine engere Beziehung anpeile."

"Das nehme ich an,” erwiderte sie unverblümt. "Was für Infos brauchst du? Ich bin keine Privatdetektivin, und es gibt viele Bücher über die Rutledges und einzelne Familienmitglieder. Was seine Exfreundinnen angeht, solltest du bei Google recherchieren."

"Nein, dafür interessiere ich mich nicht. Vielleicht kannst du mir nicht helfen. Ich glaube, ich suche etwas, das nur er mir erklären könnte. Zum Beispiel verstehe ich nicht, warum er so viel für seine Familie tut, obwohl er sie gar nicht mag. Dauernd warnt er mich vor seinen Verwandten. Ich dachte, er würde mich vor ihnen verstecken, weil er sich für mich schämen würde. Aber jetzt habe ich das Gefühl, er will mich – vor ihnen beschützen."

"Wenn du ihm etwas bedeutest, trifft das vermutlich zu. Die Rutledges sind wie Tigerhaie: Obwohl sie miteinander verwandt sind, versuchen sie sich gegenseitig aufzufressen, bis nur noch der Stärkste übrigbleibt."

Unbehaglich erinnerte ich mich an Jax' Worte am vergangenen Abend. Verdammt, Gia, du schwimmst zwischen lauter Haien herum und tust so, als wärst du im Urlaub.

"Okay ...,” begann ich vorsichtig und dachte an seinen Vater. "Wer ist der stärkste Hai in der Rutledge-Familie? Parker Rutledge?"

"Ohne jeden Zweifel."

Jax hatte mir erzählt, seine Eltern hätten aus Liebe geheiratet und wären dann sehr unglücklich gewesen. "Was weißt du über Jacksons Mom, Deanna?"

"Leslie Rutledge? Ein Rätsel. In den letzten fünf Jahren vor ihrem Tod zeigte sie sich fast nie mehr in der Öffentlichkeit. Schon vorher hatte sie das Rampenlicht lieber gemieden."

"Offenbar will Jax nicht über sie reden."

"Mal sehen, was ich herausfinden kann. Aber das wird einige Zeit dauern. Wann immer man einen Rutledge-Stein umdreht, kriecht das Security-Team wie eine Insektenschar darunter hervor."

Seufzend gestand ich mir ein, wie naiv es gewesen war, von einem "normalen" Leben mit Jax zu träumen ... "Ich hoffe, du kannst irgendwas feststellen. Natürlich bezahle ich dir die Zeit, die du dafür brauchst."

"Alles klar."

Ich richtete mich auf und bewegte meine angespannten Schultern. Obwohl ich Jax nach seiner Familie fragen wollte, würde ein Plan B nicht schaden. "Danke, Deanna."

"Hey, nimm dich in Acht, okay? Typen wie Jackson können dich wirklich fertigmachen, wenn du nicht aufpasst."

"Ja, das habe ich schon gemerkt. Noch mal vielen Dank. Und du passt auch auf dich auf."

Wir beendeten das Gespräch, und ich legte mein Smartphone auf den Schreibtisch.

Während ich meine restlichen E-Mails las, klingelte das Handy und kündigte eine SMS an. Ich inspizierte das Display. Von Jax. Meine Füße trommelten auf den Teppich, und ehe ich begriff, was ich tat, hatte ich den Text schon gelesen.

Ich weiß, dass du an mich denkst.

Verächtlich schnaufte ich. "Woran sonst?,” flüsterte ich.

So, wie's aussieht, denkst eher du an mich, tippte ich zurück.

Ich habe von uns beiden geträumt.

Nun musste ich lächeln. Von Jax zu träumen, gehörte zu den Lieblingsbeschäftigungen meines unberechenbaren Gehirns.

Hoffentlich war's ein Albtraum, in dem ich dir einen wichtigen geschäftlichen Deal vermasselt habe.

Eine Minute später.

Nein, es war eher ein feuchter Traum. Darin hast du mir einen geblasen.

Ich lachte. Jetzt änderte er die Taktik, die unser Telefonat am Morgen bestimmt hatte. Statt der harten Tour versuchte er es nun verspielt. Natürlich wusste er, wann eine gewisse Strategie nicht funktionierte. Ich begann eine Antwort zu tippen. Aber er kam mir zuvor. Das Telefon läutete.

Noch bevor ich mich melden konnte, murmelte er: "Du hast so gut an mir gesaugt, Baby. Wie fantastisch sich das angefühlt hat – ich habe kaum Luft bekommen. Dein heißer kleiner Mund umschloss die Spitze meines Schwanzes, deine Zunge umkreiste ihn, deine feste Faust glitt daran rauf und runter, und ich explodierte. Alles hast du geschluckt, Gia-Baby. Jeden einzelnen Tropfen."

Einige Sekunden lang wusste ich nichts zu sagen. In meiner Fantasie sah ich die Szene, die er soeben geschildert hatte. Ich liebte es, Jax oral zu befriedigen, liebte es, wie er sich dabei fühlte – wie er schmeckte und roch. Noch viel mehr liebte ich es, wie er sich beim Sex mit mir verlor, schamlos in seiner Ekstase. In solchen Momenten spürte ich diese tiefe Verbindung zwischen uns, nach der ich mich so inständig sehnte.

"Es gefällt dir, an meinem Schwanz zu lutschen,” fuhr er in seidenweichem Ton vor. "Und weiß der Himmel – wenn es möglich wäre, würde ich jede Minute meines Lebens in deinem Mund verbringen."

Endlich gehorchte mir meine Stimme wieder. "Selbstsüchtiger Schuft."

"Wenn's um dich geht – ja, dann bin ich egoistisch." Jax seufzte tief auf. "Jetzt liege ich nackt im Bett, mit einer gewaltigen Erektion, und frage mich, warum zum Teufel du noch nicht hier bist."

"Hast du nichts zu tun?"

"Doch, sehr viel. Mit dir."

Im Hintergrund hörte ich, dass er eine E-Mail bekam und lachte. "Lügner, du arbeitest!"

Oft genug waren wir bei Telefonsexspielen beide gleichzeitig gekommen. Ich hatte es immer in vollen Zügen genossen, wenn er bei seinem Höhepunkt meinen Namen rief.

"Okay, du hast mich ertappt,” gab er zu, offenbar kein bisschen verlegen. "Ich versuche, mich von dir abzulenken, und versage jämmerlich."

"Wahrscheinlich, weil du an dem Deal arbeitest, bei dem du mich übers Ohr gehauen hast."

"Du hast mir eine Runde harten, zornigen Sex versprochen." Leise summte er vor sich hin. Voller Vorfreude? "Darauf warte ich, Baby."

"Wird sich dein Schwanz in die Nähe meiner Zähne wagen? Falls er spürt, was ich gerade für dich empfinde?"

Als Jax lachte, krümmten sich meine Zehen. Jedes Mal ließ mich sein tiefes, sonores Gelächter wohlig erschauern. "Nicht einmal die Androhung von Schmerzen kann meiner steinharten Erektion schaden, die ich dir verdanke. Komm endlich zu mir, Gia."

"Das geht nicht, bald habe ich einen Termin." Rastlos stand ich auf und trat ans Fenster, schob den Vorhang beiseite und blickte auf die Innenstadt von Atlanta hinab. Wo ist Jax? Das hatte ich mich in den letzten zwei Jahren jeden Tag gefragt. Wo ich gewesen war, hatte er sich nicht fragen müssen. Weil er mich überwacht hatte. "Außerdem – hast du nicht gesagt, wir sollten reden? Das wird wohl kaum passieren, wenn ich zu dir komme."

Einige Sekunden lang schwieg er. "Du hast eine großartige Familie, Gia. Was von den Rossis zu halten war, wusste ich immer, im Guten oder im Schlechten. Sie machen keinen Blödsinn und verschwenden keine Zeit mit spießigen Vorurteilen. Sie sind einfach wundervolle Menschen ..."

"Danke,” murmelte ich. Seine Worte erwärmten mein Herz. Natürlich war ich stolz auf meine Verwandten – und stolz, eine Rossi zu sein.

"So ist meine Familie nicht. Lass dich von Parkers Charme nicht umgarnen. Er gibt sich nur mit Leuten ab, die ihm nützen."

"Jax, ich habe ihm nichts zu bieten."

"Du hast mich,” entgegnete er grimmig.

"Deutest du an, dein Dad würde mich benutzen, um dich zu bekämpfen?"

"Vielleicht hat er das vor. Oder er benutzt dich auf andere Weise. Alles Mögliche könnte ihn dazu veranlassen. Glaub mir, Baby, er führt was im Schilde."

Darüber musste ich erst einmal nachdenken. Warum konnten Vater und Sohn einander nicht trauen? "Bist du deshalb zwei Jahre lang verschwunden?"

Ist das der Grund, warum du mich auch diesmal verlassen wirst?

"Ich habe mich von dir ferngehalten, weil es für dich am besten war, Gia."

Wie ich seine nichtssagenden Antworten hasste ... "Trotzdem bist du jetzt wieder da. Nenn mir einen guten Grund, warum ich dich treffen sollte, Jax."

"Weil du es willst."

"Lass dir was Besseres einfallen."

"Okay." Er seufzte tief auf. "Weil ich es will. Weil ich dich brauche. Wenn ich mit dir zusammen bin, fühle ich mich wie – ein Mensch. Nicht mehr wie ein Stück Scheiße."

Die Augen geschlossen, berührte ich meine Brust und versuchte mein Herz zu beruhigen, das schmerzhaft gegen die Rippen hämmerte. Warum würdigte er sich immer wieder herab? Warum bildete er sich ein, er wäre nicht gut genug für mich? Das musste ich herausfinden. Aber ich wollte ehrlich sein. "Wenn ich mit dir zusammen bin, fühle ich mich einsam. Ich sehne mich nach jemandem, der wirklich zu meinem Leben gehört – auf den ich mich verlassen kann."

"Ich wünschte, ich wäre dieser Mann."

"Ja, das wünsche ich mir auch."

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